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Nutztiere

Getreide für Pferde?

Der Trend nach getreidefreiem Pferdefutter ist nach wie vor ungebremst. Viele Pferdebesitzerinnen und Pferdebesitzer achten bei der Futterwahl darauf, dass dieses nur wenig bis gar kein Getreide enthält. Gründe dafür können Unverträglichkeiten, Stoffwechselprobleme, aber auch die Angst vor Verdauungsstörungen sein. Was aber sind die Vor- und Nachteile von Getreide?

Ergänzungsfutter sollte Pferden immer erst nach der Raufutteraufnahme verabreicht werden.

Ergänzungsfutter sollte Pferden immer erst nach der Raufutteraufnahme verabreicht werden.

(Bild: iStock)

Publiziert am

Pferdespezialistin im Hypona-Beratungsdienst

Mit Getreide ist einerseits das Getreide als ganze Pflanze, die wir auf dem Feld sehen, gemeint. Andererseits aber auch das Korn als solches, welches aus Mehlkörper, Getreidekeim und Schale besteht. Der Mehlkörper ist reich an Stärke und Zucker. Ebenso enthält er Klebereiweiss. Der Getreidekeim zeichnet sich durch einen hohen Fettgehalt aus. Er ist besonders reich an Vitalstoffen und enthält zahlreiche verdauungsfördernde Enzyme. Die Schalen, besser bekannt als Kleie, sind ballaststoffreich und verdauungsfördernd. In den seltensten Fällen ist es das Getreide an und für sich, welches Pferden Probleme bereitet. Vielmehr ist es der Mehlkörper mit seinem dominanten Stärke- und Zuckergehalt.

Leistung benötigt Energie

Sobald bei Pferden der Energiebedarf nicht mehr allein über das Raufutter abgedeckt werden kann, empfiehlt sich der Einsatz einer energiereicheren Nährstoffquelle, wie beispielsweise Getreide. Dies kann während des Wachstums der Fall sein, aber auch wenn ein Pferd bereits älter ist und schnell an Substanz verliert. Insbesondere beim Sporteinsatz und bei dem damit verbundenen erhöhten Energiebedarf wird auf «Kraftfutter» zurückgegriffen. Getreide enthält sehr viele nährstoffreiche und verdauungsfördernde Bestandteile. Gerade aktive Sportpferde gewinnen aus den leicht verdaulichen Kohlenhydraten (Stärke und Zucker) rasch Energie für viel Kraft, Konzentration und Durchhaltevermögen. Diese leicht verdaulichen Kohlenhydrate sind aber auch in der Ration erwünscht, wenn Leber- und Nierenwerte erhöht sind. Denn sie belasten diese Organe weniger als Proteine und Fette.

Stoffwechsel nicht überlasten

Stärke und Zucker werden im Dünndarm enzymatisch abgebaut und als Glukose über die Darmwand aufgenommen. Gelangt nun eine zu hohe Menge an Stärke oder Zucker auf einmal in den Dünndarm, können diese nur unzureichend abgebaut werden und gelangen so in den Dickdarm. Das dortige Darmmikrobiom kann dadurch gestört werden, was zu Verdauungsstörungen, Koliken oder im schlimmsten Fall zu Hufrehe führen kann. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass die Getreidemenge der Leistung angepasst und auf mehrere Portionen am Tag verteilt wird. Die Faustregel besagt, dass maximal 200 bis 300 g pro 100 kg Sollkörpergewicht je Fütterung verabreicht werden sollen.

Die Basis für einen stabilen, funktionierenden Stoffwechsel ist und bleibt Raufutter.

Stärke- und zuckerlastige Rationen führen zwangsläufig zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel. Ein dauerhaft und stark erhöhter Blutzuckerspiegel mit entsprechend hoher Insulinantwort kann zu Übergewicht und Insulinresistenz führen. Deswegen sollte die Ration so gestaltet werden, dass Stärke- und Zuckermenge zum Bedarf des Pferdes passen.

Wann getreidefrei füttern?

Eine getreidefreie Fütterung empfiehlt sich bei Pferden mit Getreideunverträglichkeiten, Stoffwechselstörungen im Allgemeinen, EMS, PPID (Cushing), PSSM und bei Neigung zu Hufrehe. Auch bei Pferden mit Magengeschwür erweist sich eine stärkeund zuckerarme Fütterung als vorteilhaft. Nicht zuletzt profitieren besonders leichtfuttrige oder wenig gearbeitete Pferde von einer Fütterung mit wenig Kohlenhydraten.

Gluten – für sensible Pferde weniger geeignet

Gluten, das sogenannte «Klebereiweiss», kommt in Getreidearten wie Weizen, Roggen, Gerste, Dinkel und in leicht veränderter Form auch im Hafer vor. Bei einer Glutenunverträglichkeit reagiert der Stoffwechsel ähnlich wie bei einer allergischen Abwehr auf einzelne Glutenbestandteile. Die Folge davon ist die Schädigung der Darmzotten, welche verbunden ist mit Durchfall, Verdauungsstörungen, Teilnahmslosigkeit wie auch herabgesetztem Appetit und Gewichtsverlust.

Raufutter an erster Stelle

Die Basis für einen stabilen, funktionierenden Stoffwechsel ist und bleibt Raufutter. Davon sollten dem Pferd rund 1,5 kg je 100 kg Sollkörpergewicht über den Tag verteilt angeboten werden. Ergänzungsfutter sind immer erst nach der Raufutteraufnahme zu verabreichen, und anschliessend sollte das Pferd eine Stunde lang ruhen können. Die eingesetzte Menge Ergänzungsfutter muss der Leistung angepasst werden. Getreidehaltiges Futter darf bei gesunden, regelmässig gearbeiteten Pferden durchaus auf dem Speiseplan stehen. Ein solches liefert rasch verfügbare, sogenannte «dynamische» Energie. Wenn aus vorher genannten Gründen auf Getreide verzichtet werden soll, empfiehlt sich eine getreidefreie Alternative. Hierbei liefern Rohfaser, Getreidekeime, Öle und Ölsaaten vermehrt langsam verfügbare, «statische» Energie. 

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